Zum Buch:

 

Der kleine Tuffeltaffel vom weit entfernten Planeten Tufftaff ist ein ganz besonderes Wesen. Er kann sich jeden Wunsch erfüllen und ist dennoch nicht zufrieden. In der Auseinandersetzung mit den Tieren findet er einen Weg zu sich selbst.

 

 

"Es ist nicht wichtig, was du besitzt, sondern am Ende zählen nur die Zeiten, die du mit einem liebenden Herzen verbracht hast", ist der Rat einer guten Freundin an Tuffeltaffel und an kleine und große Leser.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Leseprobe:

 

Der Harfenspieler

 

 

 

Der kleine Tuffeltaffel hörte in der Ferne eine

 

himmlische Musik. Er folgte diesen sphärischen Klän-

 

gen und erblickte einen Künstler, der an einer Harfe

 

saß. Dieser entlockte dem Instrument Töne, wie Taff sie

 

nie zuvor vernommen hatte. Die Musik ging direkt unter

 

die Haut, berührte die Seele.

 

Tränen liefen ihm plötzlich wie Sturzbäche über die

 

Wangen, als wäre in seinem Innern eine Schleuse ge-

 

öffnet worden. Er ließ sich mitreißen von diesen Klän-

 

gen, die zuerst sanft, dann immer fordernder, nahezu

 

bedrohlich wirkten. Er durchlief sämtliche Gefühle: in ei-

 

nem Moment ‚himmelhoch jauchzend‘, im nächsten Au-

 

genblick ‚zu Tode betrübt‘.

 

Taff begann zu träumen. Er sah sich im offenen Meer

 

treiben wie ein kleines Boot. Die Wellen steigerten ihre

 

Größe zusehends, Taff wähnte sich verloren, schwamm

 

auf der höchsten Welle, bevor er in die Tiefe stürzte,

 

fürchtete den Aufprall, glaubte unterzugehen, raste auf

 

die Klippen zu, drohte daran zu zerschellen. Mit lautem

 

Donnern warfen ihn die Wellen an den Strand. Dort lag

 

er nun, einsam, verzweifelt.

 

Die Musik ebbte ab. Verträumte Klänge glichen ei-

 

nem leichten Sommerregen, einschmeichelnd, geheim-

 

nisvoll, nahezu zärtlich.

 

Der Musiker spürte die Emotionen, die den Zuhörer

 

erfasste. Er lächelte zaghaft, verständnisvoll, sich wohl

 

bewusst, wie befreiend seine Musik wirkte, ein Balsam

 

für die Seele. Und so fuhr er fort, die Saiten zu zupfen,

 

bis alle Tränen versiegten.

 

Die Töne verstummten. Taff erholte sich ein wenig

 

und begab sich anschließend zu dem Künstler, um ihm

 

zu danken.

 

„Übst du auch für dein Leben auf der Erde?“, fragte

 

der kleine Tuffeltaffel mit belegter Stimme.

 

„Ja, ich versuche es.“

 

„Was heißt versuchen? Deine Musik ist meisterhaft!“

 

Mit der größten Bewunderung sprach Taff die letzten

 

Worte aus.

 

„Das denke ich auch“, entgegnete der Harfenist

 

selbstbewusst, „das ist jedoch nicht mein Problem. Mir

 

fehlt nur das Talent, die richtigen Eltern für mein Kön-

 

nen zu finden.“

 

Und so erfuhr der kleine Tuffeltaffel, dass der Künst-

 

ler bereits diverse Male auf der Erde gelebt hatte.

 

Einmal bekam er ganz wunderbare Eltern, die ihn

 

von Herzen liebten und bereit gewesen wären, alles für

 

ihn zu tun. Leider lebten sie in bitterer Armut. Er musste

 

zusammen mit seinem Vater in einer kargen Gebirgs-

 

welt Ziegen hüten. Das Geld reichte gerade, dass sie

 

alle satt wurden. Daher begnügte er sich damit, den Tie-

 

ren etwas auf seiner selbst geschnitzten Flöte vorzu-

 

spielen. Auch wenn sich die Ziegen jedes Mal neugierig

 

um ihn scharrten und seine Musik ganz offensichtlich

 

genossen, blieb sein Talent doch bei den Menschenkin-

 

dern unentdeckt.

 

 

 

Bei seinem nächsten Erdendasein bekam er ganz

 

reiche Eltern, und er hoffte, nicht noch einmal zu schei-

 

tern. Sie besaßen eine große Fabrik. An Geld mangelte

 

es ihnen nicht, aber als er sich im Kindesalter ein Mu-

 

sikinstrument wünschte, lehnten sie es ab. Seine da-

 

maligen Eltern meinten, das sei eine ‚brotlose Kunst‘.

 

Als späterer Erbe und Chef von vielen Mitarbeitern

 

müsse er sich um die wirklich wichtigen Dinge des Le-

 

bens kümmern.

 

„Was nützt es, wenn ein Kind ein besonderes Talent

 

hat, aber dieses nie entdeckt wird?“, fragte er mit weh-

 

mütiger Stimme.

 

Nachdenklich verließ Taff den Künstler. Im Sternen-

 

land lernte er noch viele Menschenkinder kennen, je-

 

des einzigartig, ein Unikat. Alle verfügten über wunder-

 

volle Gaben und versuchten, sie zu vervollkommnen. Es

 

gab unter ihnen begnadete Sänger, Sportler, Handwer-

 

ker, Lehrende und Heilende. Der kleine Tuffeltaffel er-

 

fuhr, dass jedes bestimmte Lebensaufgaben zu erfüllen

 

hatte.

 

Er sah auch ganz besonders liebenswerte Kinder, die

 

schon bald mit einem Handicap ausgestattet die Erde

 

besuchen würden, um dort bei den Menschen viele po-

 

sitive Eigenschaften wie Herzensgüte, Verantwortungs-

 

bewusstsein, Liebe, Hilfsbereitschaft, Selbstlosigkeit

 

und vieles mehr zum Vorschein zu bringen.