Seit wann tragen Maulwürfe rote Mützen und was passiert, wenn Hunde plötzlich eigenartige

 

 Wünsche äußern?

 

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 Ich reise gelegentlich mit meinem Büchertisch durch Ostfriesland und erlebe immer wieder lustige, skurrile und auch denkwürdige Begebenheiten.

Daraus entstand die Idee für dieses Buch.

 

ISBN 978-3-7460-3187-3

VK-Preis: 7 €

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Leseprobe:

 

 

Die Etepetete-Dame

 

Eine Kunstausstellung an einem mondänen Kurort. Hier trägt die Dame Hut, passend zum Kleid, zum Jäckchen, zum Handtäschchen, als sei sie gerade einem exklusiven Modejournal entstiegen.

 

   Eine solche Dame betritt die Kunstausstellung, besser gesagt, sie erscheint. Sie bleibt einen Moment lang stehen, gibt den Anwesenden die Gelegenheit, sie gebührend zu bewundern, wartet ab, vielleicht, dass jemand ihr seine Ehrerbietung erweist. Da das nicht geschieht, beginnt sie, durch die Halle zu wandeln.

 

   Sie trägt einen großen, hellblauen Hut mit ausladender Krempe und einem breiten Band, dekoriert mit einer blauen Blüte – alles Ton in Ton. Ihr Kostüm, natürlich Haute Couture, und die hochhackigen, maßgeschneiderten Pumps sind ebenfalls in Himmelblau. Die blondierten Haarsträhnen der Dame, die unter dem aparten Hut hervorlugen, sind, wie sollte es auch anders sein, perfekt gestylt.

 

   Ich glaube, dass die Dame bereits sehr betagt ist

 

und trotzdem wirkt ihr Gesicht glatt wie ein Kinderpopo, als hätte ein Schönheitschirurg etliche Stunden daran gewerkelt. Vielleicht war es auch ein Visagist, der täglich ihre Falten sorgfältig ausspachtelt und dann mit mehreren Schichten Make-up übertüncht. Die mit viel schwarzer Farbe umrandeten Augen erinnern mich ein wenig an einen Panda.

 

   Mein Blick wandert weiter zu einem sündhaft teuren Collier aus Weißgold und Diamanten. Erst jetzt kann ich ihr ungefähres Alter etwas genauer bestimmen, das die Falten an ihrem Hals, diese bösen Verräter, sichtbar machen.

 

   Die Dame trägt eine Handtasche, eine Nuance dunkler als das Kleid. Aus dieser Tasche lugt ein kleines, weißes Pudelköpfchen hervor, das sich als Accessoire wunderbar in das Gesamtbild einfügt.

 

   Das Tier, man sollte es kaum glauben, wirkt ebenso vornehm wie sein Frauchen, sich scheinbar seines Standes bewusst. An seinem Halsband glitzern kleine Steinchen, ich vermute, es sind ebenfalls Diamanten.

 

   Die Dame läuft gemessenen Schrittes durch den Raum, wirkt gelangweilt. Abschätzend betrachtet sie ein paar Bilder, einige stehen auf Staffeleien, andere hängen an den Wänden. Was sie sieht, scheint ihr zu missfallen.

 

   Die anderen Kunstwerke, die auf niedrigen Tischen dargeboten werden, würdigt sie keines Blickes, denn dazu müsste sie ihren Kopf entsprechend neigen, wozu sie scheinbar nicht gewillt ist. Ihre Haltung bleibt so erhaben, dass sie sicher einen Eimer, randvoll gefüllt mit Wasser, auf ihrem Kopf tragen könnte, ohne nur einen einzigen Tropfen davon zu verschütten.

 

   Sie schreitet zum Ausgang, verweilt dort noch einen Moment – sich der bewundernden Blicke wohl bewusst – und entschwindet.

 

   Ich drehe mich um und betrachte in einem Fenster mein eigenes Spiegelbild, das dort schemenhaft zu erkennen ist. Was ich sehe, ist ernüchternd und das genaue Gegenteil von dem, was ich soeben bewundert habe. Sofort beginne ich, eine andere Haltung anzunehmen.

 

   Mit erhobenem Kopf und durchgestrecktem Rücken gefalle ich mir schon etwas besser. Tatsächlich, ich wirke selbstbewusster und fühle mich auch gleich entsprechend. Jetzt noch kurz mit den Fingern durchs Haar, aber da habe ich nur wenig Erfolg. Einzelne Strähnen stellen sich wie widerspenstige Borsten unverzüglich wieder auf. Und so fahre ich mit meinen Fingern erneut durchs Haar, damit es erst recht strubbelig aussieht. Ich streiche noch schnell über mein Shirt, damit es etwas glatter wird. Es ist leicht und luftig, seit Jahren mein Lieblingsshirt, genau das richtige Kleidungsstück für diese brütende Hitze, die jetzt zur Mittagszeit in der Halle herrscht. Meine Füße stecken, natürlich ohne Socken, in Sandalen. Sie sind bequem und praktisch.

 

   Puh, bin ich froh, dass ich mich nicht täglich so herausputzen muss wie diese Dame, die ich jetzt insgeheim bedaure. Sicher ist sie seit ihrer Kindheit darauf vorbereitet worden, eine gewisse Stellung in der Gesellschaft einzunehmen.

 

   Durch die Fensterscheibe erblicke ich sie ein letztes Mal und bin sogleich besorgt. Sie trägt ihr gepudertes Näschen gefährlich hoch. Ein feiner Nieselregen setzt gerade ein und ich befürchte, er wird ihre Nasenlöcher füllen und damit liefe sie Gefahr, zu ertrinken. Aber meine Sorge ist absolut unbegründet, denn besagte Dame trägt ja einen Hut.

 

 

Der Maulwurf

 

Meine Freundin Maria näht wunderschöne Maulwürfe. Sie sind kaum von den echten Maulwürfen zu unterscheiden, denn sie haben ein ganz weiches Fell, abgesehen von den roten Mützen, die bei den echten eher selten zu sehen sind. Diese Stofftiere sind so gearbeitet, dass man ihren Kopf drehen kann.

 

   Oft stehen ältere Frauen davor, beginnen zu grinsen und sagen dann hinterlistig:

 

   „Ich glaube, ich werde meinem Mann zu Weihnachten so ein Tier schenken. Wissen Sie, wir haben einen Maulwurf im Garten und mein Mann ärgert sich jeden Tag darüber, dass der unseren Rasen so verunstaltet.“

 

   Wenn Frerich, mein Mann, das hört, läuft er sofort zu Marias Stand, nimmt sich einen Maulwurf und sagt: „Sehen Sie mal, diesem Tier kann man wenigstens den Hals umdrehen“, lacht lauthals und demonstriert es auch sogleich.

 

   Jaja, mein Mann kann das gut sagen, denn wir kennen dieses Problem nicht.

 

                         

 

Einige Wochen später:  Manni Maulwurf hat sich in unserem Garten niedergelassen und Frerich schimpft täglich wie ein Rohrspatz, während er die frisch aufgewühlten Erdhaufen wütend mit einer Schaufel plattmacht. Dabei schlägt er die Schaufel noch öfter als nötig geräuschvoll auf den Rasen, als könne er den Maulwurf damit vertreiben.

 

   Da kommt mir eine Idee: Ich werde ihm zu Weihnachten einen Maulwurf aus Stoff mit einer roten Mütze schenken. Ob er sich wohl darüber freuen wird?

 

 

Die Tierpsychologin

 

Ein Kunsthandwerkermarkt in der Nähe von Oldenburg:

 

   Eine Besucherin kommt mit ihrem kleinen Hund zu meinem Stand, auf dem nicht nur meine Bücher liegen, sondern auch Kuscheltiere aus Stoff, passend zu meinen Geschichten, die meine Freundin Maria für mich näht. Es sind Fantasietiere wie zum Beispiel Tuffeltaffel, Grummelis und Fünf-Finger-Fús.

 

   Die Besucherin, eine nette Dame in den Siebzigern, interessiert sich nicht für meine Bücher, sondern betrachtet ganz aufmerksam die Plüschtiere.

 

   „Mein Hund wünscht sich einen Elefanten. Haben Sie so etwas auch?“, fragt sie in einem sehr höflichen Ton ...