Fünf-Finger-Fú und das Geheimnis seiner Hände

Das Buch beinhaltet eine Entspannungsmethode. Jeder Finger hat eine bestimmte Bedeutung und gibt dem Kind eine Art Rettungsanker, um mit negativen Gefühlen wie Angst, Wut, Trauer usw. besser umgehen zu können. Das alles habe ich sehr lustig verpackt, z. B. mit einem Faultier, das mit einem Berliner Dialekt spricht und diese Probleme nicht kennt.

 

Leseprobe:

Fünf-Finger-Fú macht sich Sorgen

Das Fú saß vor seiner Höhle und hielt seinen Daumen.

Sein Freund Coco, ein Kolibri, schwirrte direkt auf ihn zu und blieb kurz vor Fús Gesicht in der Luft stehen. Dabei bewegte er ununterbrochen seine winzigen Flügelchen.

„Fú“, piepste der Kolibri, „warum hältst du deinen Daumen? Hast du dir wehgetan?“

„Nö“, murmelte das Fú, „ich halt´ nur meinen Daumen, weil ich mir Sorgen mach´.“

„Du machst dir Sorgen?“, wiederholte Coco und sah ihn fragend an.       

„Jaaa“, murmelte das Fú und seufzte, „is´ dir denn noch gar nich´ aufgefallen, dass es so dunkel is´? Die Sonne is wech. Eine riesige Monsterwolke hat sie vaschluckt. Ich mach´ mir solche Sorgen und jetzt hab´ ich auch noch Bauchweh.“ Denn immer, wenn sich das Fú Sorgen machte, bekam es Bauchweh.

Coco schwirrte jetzt wieder umher. Er schien über irgendetwas angestrengt nachzudenken, denn auf seiner Stirn bildete sich eine tiefe Falte.

„Aaah, sooo“, piepste der Kolibri, „du hast also einen Zauberfinger und damit willst du die Sonne wieder herbeizaubern.“

Das Fú schüttelte den Kopf und murmelte:

„Nö, du Winzling, zaubern kann ich nich´, aber wenn ich meinen Daumen etwas länger festhalte, fliegen meine Sorgen einfach wech, so wie die Wolken auch wechfliegen. Und dann fällt mir ein, dass ich ja sowieso nix ändern kann. Entweder die Sonne kommt zurück oder sie bleibt wech.“

Auf einmal war das Fú wieder ganz fröhlich und sein Bauch tat auch nicht mehr weh.

Etwas später lugte die Sonne hinter einer Wolke hervor und zwinkerte den beiden freundlich zu.

 

Fünf-Finger-Fú hat Angst

Das Fú hielt sich gerade den Zeigefinger, als sein Freund Fauli – das faulste Faultier der Welt – kopfüber aus seiner Hängematte plumpste und auf dem Waldboden landete.

„Autsch“, schrie Fauli und rieb sich seinen Kopf.

Gleich darauf rappelte es sich auf, starrte das Fú an und krächzte mit einer Stimme, die immer etwas heiser klang:

„Sach mal, wat hältst du dir denn die Flosse. Haste dir ooch valetzt?“

„Nö“, murmelte das Fú und sah Fauli mit großen, angsterfüllten Augen an, „ich mach´das, weil ich Angst hab´. Heut´ is´ der Mond so dick und rund, dass er bestümmt vom Himmel fällt. Vielleicht genau auf meinen Kopp. Und dann is´ es aus und vorbei mit Fú.“

„Nee, det glob ick nich´“, krächzte Fauli, „und det du mit ´nem Finger den oll´n Mond da oben halt´n kannst, det glob ick ooch nich´.“

„Nö, kann ich auch nich´“, murmelte das Fú. „Aber wenn ich das mach´, geht’s mir gleich viel besser. Dann fühl´ ich mich auf einmal ganz mutig und ich glaub´ auch gar nich´ mehr, dass der Mond runterfallen kann.“

Fauli runzelte die Stirn: „Na jut, dann halt´ mal schön d´ Flosse. Ick mach´ mir mal vom Acker.“ 

Im nächsten Moment lag es schon wieder in seiner Hängematte und schnarchte friedlich vor sich hin.

Das Fú hatte jetzt keine Angst mehr. Es legte sich in seine Höhle und schlief sofort ein.

Und der Mond stand hell und kugelrund am Himmel und passte auf sie auf.

 

 

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